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DAS LIBANONPROJEKT
Entstehung und Entwicklung
Bei einer Reise 1997 in den Libanon wurde Franziskus von Heereman mit den unerträglichen Umständen konfrontiert, in denen kranke und behinderte Menschen im Libanon leben müssen. Ein Besuch in den beiden größten Behindertenheimen Beiruts führte ihm die Lebensbedingungen der dort untergebrachten Menschen vor Augen. In kahlen Räumen hockend, dicht beieinander in gesicherten Betten liegend, teilweise in Zwangsjacken, fristeten Kinder, Jugendliche und Erwachsene jeder körperlichen und geistigen Behinderung, ihren Alltag. Fast ohne staatliche und kaum private Unterstützung ist es den Betreuern der christlichen Institutionen nicht möglich, ihren zahlreichen Schützlingen mehr als nur die nötigste Versorgung zu geben. Hinwendung und Freundschaft waren ein Luxus, der diesen Menschen bis zu diesem Zeitpunkt verwehrt blieb.
Hier sah der damals 20 Jahre alte Malteser akuten Handlungsbedarf. Mit 27 Freunden kehrte er im Sommer des nächsten Jahres in das von Bürgerkrieg und politischen Krisen zerrüttete Land zurück, um diesen Menschen Ferien zu ermöglichen. Seither kommen jedes Jahr rund 70 Jugendliche in den Libanon, um ihre Ferien mit diesen Menschen mit Behinderung zu verbringen. In zwei Camps à vier Wochen finden die Gäste in einem Haus in den Bergen über Beirut eine Weite und Freiheit und Zuneigung und Freundschaft, wie sie sie bisher nicht kannten. Mittlerweile heißt dieses jährliche Engagement offiziell „Das Libanonprojekt“ und wird unter der Fahne der Gemeinschaft junger Malteser ausschließlich von Jugendlichen und jungen Erwachsenen organisiert. Mehr als 350 junge Menschen haben in den letzten 10 Jahren Zeit und Geld investiert um die Situation behinderter Menschen, die im Libanon noch vielerorts als Schande gelten, zu verbessern. Viele von ihnen kommen jährlich wieder, darunter auch libanesische Volontäre.
Die Freude trübte sich allerdings, als der Libanon im Jahr 2006 erneut von einem Bürgerkrieg bedroht war und das Camp zum ersten Mal ausfallen musste. Mit Sach- und Geldspenden versuchte die Gemeinschaft junger Malteser wenigsten die Leiden der kriegsbedingten Entbehrung zu stillen. Um ihrer Verantwortung gegenüber ihrer behinderten Schützlinge gerecht zu werden, wurde das Lager 2007 ins Nachbarland Jordanien verlegt. In einem Reisebus fuhren 20 behinderte Menschen und 15 libanesische Volontäre acht Stunden nach Amman, um dort ihre deutschen Freunde wieder zu treffen. Dieses Camp wurde erstmals von einem Kamerateam begleitet, welches eine eindrucksvolle Dokumentation dieser vier Wochen mit dem Titel „Unendlich viel mehr als Nichts“ produzierte. 2008 konnte das Projekt wieder im gewohnten Haus in Chabrough im Libanon, das mittlerweile dem Malteserorden gehört, stattfinden.
Neben den kleinen und großen Erfolgen der vergangenen Jahre, die man am Gesundheits- oder Gemütszustand jedes einzelnen Schützlings ablesen kann, war vor allem das Jahr 2008 mit einem speziellen Erfolg gekrönt. Am 11. Oktober wurde der Gemeinschaft Junger Malteser der Preis der westfälischen Friedens für ihr Engagement im Nahen Osten verliehen (mehr dazu hier).


